Giotto Tips

Giotto und "normale Fotographie"

In letzter Zeit wurde ich oft gefragt, welche Einstellungen ich z.B. für die Marsbilder verwende. Ich habe daher einmal am Beispiel der Marsbilder beschrieben, wie diese zustande kommen:  

Zunächst einmal stecke ich die ToUCam mit einer 2fach Barlow in den Okularauszug, um ein genügend großes Bild mit dem 114/900er Newton zu erhalten. Es erleichtert die Sache ungemein, wenn man einen Nachführmotor hat, der das Teleskop während der Aufnahmen entsprechend der Himmelsbewegung weiterführt. Es ist nicht notwendig, dass der Mars während der gesamten Aufnahme an derselben Stelle des Bildschirms erscheint, da Giotto in der Lage ist, die unterschiedlichen Positionen auf den Einzelbildern zu berücksichtigen. Wenn man also, so wie ich, einen ganz einfachen Motor hat, mit dem man von Zeit zu Zeit ein wenig nachkorrigieren muss, ist das nicht schlimm.

Webcam Setup

Ich verwende die aktuelle Giotto Version 1.24, da damit einige kleinere Macken der Vorgängerversionen ausgebügelt wurden.

Da ich es vorziehe, direkt einzelne BMPs zu speichern anstatt AVIs aufzunehmen  habe ich im entsprechenden Menu Videokarten/Webcam Setup den Punkt Einzelbilder ausgewählt.

Der Vorteil hierbei ist, dass ich mir schon vor dem Aufaddieren die Einzelbilder anschauen kann und offensichtliche Aussreisser aussortieren kann.

Einstellungen der Video-Quelle

Nach dem Auswählen des Menupunktes Bildaufnahme/Aufnahme suche ich zunächst den Mars, stelle ihn ungefähr in die Bildmitte und stelle grob scharf.

So kann ich Auswirkungen von Einstellungen, die ich jetzt mache, live im Hintergrund sehen.

Zunächst stelle ich durch einen Klick auf Bildquelle die Aufnahmewerte ein. Auf der Seite Bildregler wird zunächst die Vollautomatik aller Regler abgewählt.

Die Bildregler für Helligkeit, Gamma und Sättigung bleiben auf ca. 50% stehen.

Auf der Seite Kameraregler wird zunächst der Weissabgleich auf Auto gestellt, falls dies noch nicht geschehen ist.

Nun kommt die Belichtung. Die Verschlussgeschwindigkeit wird auf 1/250 eingestellt.

Der Regler für den Gewinn steht auf ca. 50%.  Der Nachthimmel erscheint dann zwar bei der Aufnahme dunkelblau, das wird aber später durch die Aufnahme eines sogenannten Darkframe wieder rausgerechnet.

Dann speichere ich die Einstellungen durch einen Klick auf Standards/Benutzer/Speichern. Leider kann man immer nur ein Benutzerprofil speichern.

Bevor ich die letzte Einstellung vornehme, schließe ich das Einstellungsfenster und stelle anhand des Videobildes den Okularauszug richtig scharf . Das dauert dann meist etwas länger, je nachdem, wie stark die Luft das Bild verzerrt.

Wenn die Schärfe stimmt, kann dann die letzte wichtige Einstellung erfolgen. Auf der Bildregler Seite stelle ich die Bildrate von 30 auf 5. Nun werden zwar nur 5 Bilder pro Sekunde erzeugt, das hat aber durchaus seinen Vorteil. Der USB Port, durch den die Daten von der Kamera auf den Computer transportiert werden, kann nur eine bestimmte Datenrate pro Zeiteinheit durchlassen. Bei 30 Bildern/Sekunde funktioniert dies aber nur, weil die Bilder stärker komprimiert werden. Also muss man die Bildrate reduzieren, um später detailliertere Bilder zu bekommen.

Aufnahme der Bilder

Nach dem Schließen des Einstellungsfenster befinden wir uns wieder im Aufnahmefenster. Zunächst einmal lege ich fest, in welchem Ordner ich die Bilder speichern möchte.

Damit ich später noch weiss, welche Einstellungen ich benutzt habe, benenne ich einen Ordner z.B. 
"Mars 1 250 Gew 50“.  So weiss ich später, dass ich die Bilder mit 1/250 Verschlussgeschwindigkeit und 50% Gewinn gemacht habe. Datum und Uhrzeit hingegen kann man später an den Dateiattributen der BMP Dateien ablesen.

Dies ist besonders hilfreich, wenn man verschiedenen Einstellungen ausprobiert und mehrere Bilderserien macht.

Dann wähle ich die Anzahl der zu erstellenden Bilder aus. Ich benötige für eine Serie ca. 1000 Bilder. Ich stelle daher 256 ein, so dass ich später den Aufnahmeknopf viermal drücken muss.

Giotto hat leider ein kleines Problem, eine bereits laufende Aufnahmeserie zu unterbrechen. Durch die geringere Bildanzahl erreiche ich, daß ich bei einem Problem, z.B. wenn das Objekt aus dem Bildschirm wandert, nur warten muss, bis 256 Bilder aufgenommen wurden.

ACHTUNG ! Giotto merkt sich zwar, welches Bild zuletzt gespeichert wurde, wenn also das letzte Bild _pic0255.bmp hieß, wird nach dem Erneuten Drücken auf Aufnahme mit –pic0256.bmp weitergespeichert. Dies gilt aber nicht, wenn die Bildanzahl zwischenzeitlich verändert wurde. Dann fängt Giotto wieder bei –pic0000.bmp an und überschreibt schon erstellte Bilder !

Und dann geht es wirklich los. Nach einem Klicken auf Aufnahme ! beginnt Giotto mit der Bilderserie.

Darkframe

Nach ca. fünfzehn bis zwanzig Minuten ist dann die Bilderserie fertig.

Nun folgt noch die Aufnahme des bereits erwähnten Darkframe oder Dunkelbild.

Dazu verschließe ich das Teleskop mit dem Tubusdeckel und mache 64 Aufnahmen der entstandenen Dunkelheit in einen Ordner, den ich "Dark“ nenne.

Anschließend wird aus den 64 Einzelaufnahmen das eigentliche Dunkelbild aufaddiert. Nach dem Auswählen des Menus Bearbeiten/Addiere Bilder direkt öffnet sich das Fenster Überlagen von Bilderserien.

Hier wähle ich unter Auswahl der Rohbilder entweder Directory oder Nummerierung, da ich ja einzelne Bilder addieren möchte.

Dann klicke ich auf die Voreinstellung für Darkframe, so daß automatisch die richtigen Werte eingestellt sind.

Nach einem Klick auf „Weiter“ wähle ich das erste Bild im Ordner "Dark" aus und nach kurzer Zeit ist das Aufaddieren beendet und im Fenster links oben (Puffer A) ist das fertige Dunkelbild. 

Dies speichere ich im Ordner "Dark" als "darkframe1 250gew50.bmp" ab. Unbedingt darauf achten, die BMP Endung anzugeben, da das Bild ansonsten als komprimierte JPG Datei abgespeichert wird. Die verwendeten Dateien pic0000.bmp bis pic0063.bmp des Ordners "Dark" lösche ich wieder, da ich sie nicht mehr benötige.

Dieses Darkframe muss nicht bei jeder Aufnahme neu erstellt werden. Man kann es für alle Aufnahmen mit denselben Einstellungswerten verwenden.

Addition der Bilder

Im Menu Bearbeiten/Addiere Bilder direkt wähle ich die Voreinstellung Planeten. Da ich aber keine Vergrößerung haben möchte, setze ich Superresolution auf einfache Auflösung.

Außerdem wähle ich Vorverstärkung ab, da sonst das Bild zu hell wird. Schließlich wähle ich noch mit einem Klick auf Dunkelstrom das eben erstellte Darkframe ...\Dark\darkframe1 250gew50.bmp aus und klicke dann auf Weiter.

Nun ist es Zeit, mir eine Tasse Tee zu machen, denn Giotto braucht ca. 20-30 Minuten (je nach Rechnergeschwindigkeit), um die 1024 Bilder zu addieren.

Bearbeitung des Rohbildes

Wenn das Bild fertig ist, befindet es sich im Puffer A, vorrausgesetzt, es wurde nicht vorher eins der anderen 3 Puffer gewählt. Als erste Massnahme speichere ich es ab als " roh.bmp" in dem Ordner "Ergebnis“, den ich im Ordner mit den Einzelbildern anlege.

Sollte sich Giotto wider Erwarten während der nun folgenden Bearbeitung verabschieden (was sehr selten ist), muß ich nicht nochmal von vorne anfangen, sondern kann das Rohbild einfach wieder in einen Puffer laden.

An dieser Stelle möchte ich noch etwas anmerken. Die weitere Bearbeitung des Rohbildes sollte möglichst nicht bei hellem Sonnenschein erfolgen, da man dann Details nicht erkennen kann. Ideal ist es, wenn man dies in den Abend oder Nachtstunden macht. Bei diesen Lichtverhältnissen läßt sich die Qualität eines Bildes einfach besser beurteilen.

Das erste, was beim entstandenen Rohbild auffällt ist, dass es nicht besonders scharf aussieht. Aber keine Panik, „das kommt noch in Ordung“ !

Wenn der Mars während der Aufnahme ziemlich tief stand, kann man außerdem einen blauen Farbsaum oben und einen roten Farbsaum unten beobachten. Das liegt, besonders bei einem Newton, nicht am Teleskop, sondern daran, dass das Licht mehr Luft durchdringen muss, wenn der Mars niedrig steht und dadurch die verschiedenen Lichtsorten unterschiedlich stark gebrochen werden.

Dies kann ich im Menu Bearbeiten/RGB in Lage und Größe korrigieren ausbügeln. Dazu klicke ich auf Rotkanal auf und Blaukanal ab an, solange bis die Farbsäume verschwunden sind.

Dann öffne ich das Menu „Bearbeiten/Schärfen und Filtern“. Hier wird aus dem verwaschenen Rohbild ein scharfes Bild, auf dem man auch Details erkennen kann. Rechts sieht man die verwendeten Filtereinstellungen in der Rubrik Schärfen & Rauschfilter. Bei den Marsphotos benutze ich eine Filterwirkung von 150%.

Man muss aber aufpassen, dass man es mit dem Filtern nicht übertreibt, sonst sieht das Bild künstlich aus. In dem Fall versuche ich es mit niedrigereren Filterwirkungswerten.

Und hier zum Schluß nochmal die verschiedenen Bildbearbeitungsphasen:

Eines der 1024 Einzelbilder.

Das entstandene Rohbild nach der Addition, man sieht den roten Farbsaum unten und den blauen Farbsaum unten.
Dasselbe Bild nach der RGB Lagekorrektur.
Das fertig geschärfte Bild. Man sieht unten den weisslichen Südpol und einige dunklere Strukturen.

 

Wie man sieht, kann man Giotto auch für die normale Fotographie benutzen. Dieses Bild wurde aus 20 Einzelbildern mit jeweils 8 sek. Belichtung im "Kumulieren"-Modus aufaddiert.